Berichte

Ohne Verein würde was fehlen

Das WochenendGespräch: Jens Riegner vom HKSV

Quelle: Oderlandspiegel vom 18.06.09

Libbenichen (hav). Eigentlich sollte es ein reiner Fußballverein werden, doch da auch Frauen bei der Gründung des Heimat-, Kultur- und Sportvereins Libbenichen e.V. 96 (HKSV) dabei waren, werden auch andere Sportarten angeboten. Warum es im Moment aber keine Fußballmannschaft für den aktiven Spielbetrieb gibt, verriet Jens Riegner im WochenendGespräch.
Seit 1999 ist er der Vorsitzende des HKSV, der im September 1996 gegründet wurde. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, das kulturelle und sportliche Leben zu fördern und wurde somit zur festen Größe im Dorf. Zirka 55 Mitglieder beteiligen sich an den Projekten im Dorf und üben in der Freizeit eines der vielen Sportangebote aus.
Angeboten werden Tischten-nis, Volleyball und Fußball. „Unsere Tischtennismannschaft spielt die erste Saison und ist in der fünften Kreisklasse Tabellenvierter geworden. Unsere Volleyballer spielen seit 2007 und liegen auf dem sechsten Platz in der Kreisliga Ost“, erzählt der 42-jährige Familienvater stolz. Traurig stimmt ihn, dass es keine Fußballmannschaft für den aktiven Spielbetrieb mehr gibt. „Das Problem der Abwande-rung von jungen Leuten ist hier in der Region ein großes Problem. Zehn Mann, mal mehr, mal weniger, spielen Fußball. Wir spielen nur noch bei Kleinfeldturnieren mit.“ Abends treffen sich die Männer öfter im Vereinsraum des HKSV im Gemeindezentrum. „So ganz ohne Frauen“, grinst der gebürtige Dolgeliner. Die unter anderem zahlreichen Pokale auf den Regalen zeugen von den sportlichen Erfolgen.
Die Frauensportgruppe trifft sich jeden Montag halb Acht zum Radeln, Laufen oder Kegeln. „Hauptsache abwechslungsreich. Im Winter schwitzen wir dann zu Sport-DVDs“, fügt seine Frau Heike hinzu. Denise Löbel-Gräber aus dem Vorstand hat es sich ebenso zur Aufgabe gemacht, die Orts-chronik zu erstellen. Viele ältere Leute aus dem Ort können ihre Erfahrungen und Geschichten mit alten Fotos und Zeitungs-artikeln belegen.
Auch bei Veranstaltungen wie Rentnerfeiern, Dorf- oder Ernte-festen helfen die Mitglieder in Zusammenarbeit mit der Gemeinde.
Das größte Projekt war jedoch der 2003 fertig gestellte „Bullenstall“, den der Verein gemeinsam mit der Feuerwehr ungefähr zwei Jahre lang ausgebaut hat. „Wir haben alle Arbeiten selbst erledigt, aber bei 8000 Arbeitsstunden haben wir dann aufgehört zu zählen“, erzählt der vielbeschäftigte Kaufmann im Einzelhan-del. „Nach der Wende wurde der Bullenstall nicht mehr für die Tierhaltung genutzt und wir haben ihn dann kernsaniert übernommen, um daraus ein Bürgerzentrum zu schaffen“. Entstanden ist ein großer Festsaal mit einer integrierten Kegelbahn, ein Barbereich, eine große Küche, ein Versamm-lungsraum sowie sanitäre Anlagen. Im Haus befinden sich außerdem Umkleideräume und Duschen für die Sportler, da sich hinter dem Gebäude der auch vom HKSV neu errichtete Sportplatz befindet. „Die Anlegung des Sportplatzes hat sich dort gleich angeboten. Wir haben auch einen Schiedsrich-terraum“, freut sich Jens Riegner.
„Fertig ist man trotzdem immer noch nicht. Hier und dort gibt es noch Kleinigkeiten zu machen.“ Besonders stolz ist er auf die Mitglieder, die durch ihren ehrenamtlichen Einsatz dieses enorme Projekt erst möglich gemacht haben.
Neben den Mitgliedsbeiträgen wird der Verein finanziell durch Fördermittel vom Amt Seelow-Land, dem Ortsvorsteher und der Gemeinde unterstützt. Pokale und T-Shirts werden gesponsert.
„Natürlich ist die Arbeit als Vorsitzender sehr zeitaufwändig und stressig, besonders bei nur einem freien Tag in der Woche. Aber ohne würde mir was fehlen“, überzeugt der seit 1986 in Libbenichen wohnende Jens Riegner durch seinen Elan und sein Engagement.

Das Dorf feiert jetzt im Bullenstall

Sonntag, 07. September 2003 (19:42) Quelle: MOZ

Libbenichen (MOZ) Es ist das größte Eigeninitiativobjekt im Amt Seelow-Land, der „Bullenstall“. In nur einem Jahr haben die Mitglieder des Heimat-, Kultur- und Sportvereins gemeinsam mit der Feuerwehr aus dem alten Bullenstall ein Bürgerzentrum gebaut, das keine Wünsche offen lässt. Rund 6000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit wurden geleistet. „Wir sind hier im Dorf einfach ein Super-Team. Der Einsatz der Leute ist nicht mit Geld aufzuwiegen“, freute sich Bürgermeisterin Birgit Schulze bei der offiziellen Inbetriebnahme. Die fand am Sonnabend anlässlich des traditionellen Erntefestes statt. Von Doris Steinkraus

Fritz Plönzke weiß noch genau, wie die Bullen in dem Stall standen. Als Traktorist in der LPG leistete er wie andere seiner damaligen Kollegen auch so manche Aushilfsschicht im Bullenstall. „So um die 300 Tiere haben hier mal gestanden“, erzählte der Libbenicher, der heute in der Feuerwehr aktiv ist. Und zu denen gehörte, die in den zurückliegenden Monaten immer wieder im alten Bullenstall die Ärmel hochkrempelten.

Jens Rieger, der Vorsitzende des Heimat-, Kultur- und Sportvereins (HKSV) schwört auf seine Truppe wie auch Wehrführer Fred Jacob. „Wir haben alle Arbeiten selbst erledigt“, erzählte Jens Rieger stolz. Die Fachleute der einzelnen Gewerke zeigten, was sie können. Lediglich die fachliche Bauleitung durch Erich Jaß wurde vertraglich gebunden und das Material von der Gemeinde gekauft. Was allein schon einen finanziellen Spagat erforderlich machte, wie Bürgermeisterin Birgit Schulze betonte. Mehr als 100 000 Euro Gemeindemittel sind in das Haus geflossen. Ein Bau mit Firmen hätte diesen Betrag um ein Vielfaches überstiegen und wäre von der Gemeinde nicht zu leisten gewesen.

Der Bullenstall war nach der Wende von dem Nachfolge-Unternehmen der LPG nicht mehr für die Tierhaltung genutzt worden. 2001 entkernte die Landwirtschaftsgesellschaft mit einer ABM das Gebäude. Danach wurde es der Gemeinde verkauft. Die hatte sich mit Bedacht für den einstigen Stall als künftiges Bürgerzentrum entschieden. Gleich dahinter befindet sich der Sportplatz. So lag es nahe, in dem Haus Umkleide- und Duschräume zu bauen. Und so ist ein vielseitig nutzbares Gebäude hergerichtet worden.

Der einstige Stall wurde mit Brandwänden geteilt. Entstanden ist ein großer Festsaal, in dem bis zu 300 Personen ausreichend Platz haben. Hinzu kommen eine Küche und ein Bar-Bereich. Der Heimat-, Kultur- und Sportverein erhielt einen Vereinsraum und die Sportler haben moderne Duschen und Umkleideräume. Auch ein Schiedsrichterraum sowie sanitäre Anlagen für Veranstaltungen gehören zum Komplex. Alles ist gefliest, hell und freundlich, wenn auch die Außenansicht noch nicht sehr einladend aussieht.

„Wir hoffen, dass die Gemeinde über das Dorferneuerungsprogramm Mittel für die Außenhülle und das Dach erhält“, so Reinhard Schumann vom Bauamt Seelow-Land. Libbenichen kommt 2004 in die Durchführungsphase, könnte so Mittel erhalten. Mit den Kommunalwahlen wird Libbenichen zwar mit Dolgelin, Sachsendorf und Neu Mahlisch in der neuen Großgemeinde Lindendorf aufgehen, aber schon im Vorfeld hatten sich die Kommunalvertreter darauf geeinigt, dass begonnende Investitionsvorhaben weitergeführt werden. Für den HKSV und die Feuerwehr in Libbenichen ist dies auch unter dem Aspekt wichtig, dass sie für die Unterhaltung des Areals verantwortlich zeichnen. Beide haben mit der Gemeinde einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen. Das heißt, man will und muss die Räume auch vermieten, um die Betriebskosten aufbringen zu können.

Am Wochenende konnten sich viele Gäste selbst ein Bild vom neuen Libbenicher Festzentrum, das auch für die neue Großgemeinde interessant sein dürfte, machen. Nach so viel Monaten Arbeitens wurde die offizielle Einweihung des Bürgerzentrums erst einmal zünftig gefeiert.